Gegenkommentar

Na so was! Da war ich wohl nicht die Einzige, die sich inspirieren liess. Auf den unter ‚Bildungsreform‘ erwähnten Artikel des Pädagogen und Bildungspolitikers H. Z., Dr. phil. I, erfolgte ein seitenfüllender Gegenkommentar. Entgegen der im Artikel gemachten Aussage, dass sich das Volksschulwesen zunehmends in ein marktorientiertes Ausbildungssystem verwandle, sei dieses, im Gegenteil, zum sinnentleerten Selbstzweck mutiert, weil sie in der Praxis nicht mehr nutzbar sei. Der Unternehmer und Präsident einer Berufsschule erhielt diese Erkenntnis durch selbst gemachte Erfahrungen. Leider wiederhole sich die Erfahrung, dass Lehrlinge nach der Schule die Grundrechenoperationen nicht beherrschten und für Zahlenbereiche über 10 den Taschenrechner benötigten. Das Schulsystem sei vergleichbar mit einer Firma, die Produkte herstelle, für die der Markt fehle.

Die Schule?

Also mein erster instinktive Gedanke dazu war, dass bei der Suche nach Lehrlingen wohl keine allzu grosse Auswahl mehr übrig bleibt. Bei all der akademischen Schulförderung innerhalb unserer Gesellschaft. Dennoch mag er damit nicht ganz Unrecht haben. Wobei ich weniger das Problem in der Art und Weise sehe, wie das Schulwesen geführt und welche Lernspezifischen Methoden angewendet werden. Vielmehr bin ich der Überzeugung, dass ein weit verbreiteter Glaube vorherrscht, dass nur ein Hochschulabschluss Garant für Ansehen, Respekt und Wohlstand in unserer Gesellschaft sei. Sobald erkennbar ist, dass ein Kind ‚gewisse’ Fähigkeiten aufweist, es als hochbegabt eingestuft und vermeintlich gefördert wird. Und dies nicht von der Schule sondern von den Eltern. Eine Lehre wird da erst gar nicht anvisiert. Und zum Glück sind wir heutzutage reichlich mit begabten Kindern gesegnet.  Diese Ressourcen wollen wir ungern in Form einer banalen Lehrausbildung verschwendet sehen. All die vermeintlichen Träume, Wünsche und Hoffnungen eines Lebens als Akademiker, werden hier in den Vordergrund gedrängt. Die Tatsache verdreht, dass  Ruhm, Wohlstand und Fremdanerkennung nur durch entsprechende hochschulischen Werdegang erreicht werden kann. Oder wer unter uns animiert heute noch ein begabtes Kind zur Absolvierung eines Lehrabschlusses. Welcher später bei Bedarf immer noch mit hochschulischen Qualifikationen ergänzt werden könnte? Die Lehre erreicht keinen hohen Stellenwert mehr in der Mehrheit der Bevölkerung. So zumindest habe ich den Eindruck. In diesen Tagen nicht mehr allzu viele Schüler, denen mehrere Optionen zur Verfügung stünden, sich für eine Berufslehre entscheiden. Gelenkt vielleicht auch ein wenig durch unsere Versprechen an die Jugend. Sei es aus wirtschaftlichem Interesse (seitens der Hochschulen) oder aber des vermeintlich gut gemeintem Ratschlag seitens der Eltern, Bekannten und Verwandten.

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6 Gedanken zu “Gegenkommentar

  1. Ich seh das so. Zum einen glaub ich, dass unsere Jugendlichen immer unselbstständiger gehalten werden und immer später reif für den Arbeitsmarkt werden. Sie wollen lieber noch ein Ründchen studieren. Das passt den Eltern dann auch, in der Hoffnung auf Reife.
    Ich kenne genug Beispiele, dass Nichtstudierte mit Lehre erfolgreicher sind, mehr Geld verdienen als Akademiker. Das ist ein Trugschluss.
    Ich glaube auch, dass der Jobmarkt sich ständig ändert. Da besteht die (unbegründete) Angst, dass die Lehre eventuell eine Sackgasse ist.

    PS: toller Kommentar, Liebe Grüße, Ann

    Gefällt 3 Personen

  2. In meiner Generation ist eine Lehre ganz klar ein Hemmschuh in der sich immer mehr wandelnden Arbeitswelt. Vielleicht haben die Jüngeren bessere Erfahrungen, ich nicht. Ich muss immer das Doppelte leisten, um die notwendige Anerkennung bzw. das Vertrauen für neue, weitreichendere Aufgaben zu bekommen.
    Das wäre der eine Punkt. Der andere Punkt in meinen Augen (MEINE Meinung/Sichtweise!) ist die Abwertung des Handwerks, welches durch die Abschaffung der Meisterpflicht für viele Gewerke vor ein paar Jahren vorgenommen wurde.
    Dabei ist das schade. Bildung (auch eine Meisterausbildung) hat noch niemandem geschadet, eher im Gegenteil…

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    1. Schade bezüglich der Meisterpflicht. Ich erkenne hier länderbedingte Unterschiede. Bei uns steht eher die Motivation der Eltern im Wege. Die fehlende Anerkennung kommt eher von dieser Seite. Denn eine erfolgreich abgeschlossene Berufslehre hat nach wie vor bei uns gute Anerkennung. Nur. Um das grosse Geld zu machen, reicht es halt noch nicht. Unerfüllte Träume und Wünsche der Eltern, lassen da zuweilen einen falschen Ehrgeiz aufkommen.

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