BEEP, BEEP, GNMMM?!

Ich dachte einst, dass Mütter eine verschworene Truppe sei. Voller Toleranz, Verständnis und Gutmütigkeit einander gegenüber. Wenn man erst in den erlauchten Kreis eingetreten ist. Die Schwangerschaft und Geburt überstanden, man es auch einfach nicht anders verdient hätte.

Tja, dann wurde ich Mutter. Und von da an schien ich auf einem anderen Planeten. Es dauerte 1-2 Monate, bis ich es schaffte, morgens (frühestens 11:00 Uhr) angezogen (Trainingsanzug) und geduscht (fast immer) wieder aus dem Haus zu kommen. In den nächsten Supermarkt und da, wo auch immer, zwischen den Regalen, an der Kasse oder nach der Kasse, plötzlich das Kind schreit (brüllt). Die nonverbale Kommunikation läuft gerade zur Bestform auf. Ich meine diejenige mit der demotivierenden Wirkung. Ob ich das Kind denn nicht im Griff hätte?! Ja nein. Wohl eher nicht. Die äussere Erscheinung, trägt das ihrige bei. Ich habe ja nicht mal mich im Griff! Szenenwechsel. Die gleiche Situation. Die frischgebackene Mutter durch den Vater ersetzt. Na so was. Dem armen Kerl muss geholfen werden. Und zwar mit vollstem Verständnis und mütterlicher Zuneigung. Also gut. Das, kombiniert mit chronischer Übermüdung, schaffe ich es, mich mit der allwöchentlichen Geburtsvorbereitungs-Mütter-Gruppe zum Spaziergang zu treffen. Eine erhoffte Abwechslung. Würde der Funke überspringen. Es lässt sich einfach kein Gesprächsthema finden, bei dem ich wirklich abschalten kann und ausgiebig mitquatschen könnte. Ich laufe eher schweigend nebenher. Den Kinderwagen stosse und ab und zu verständnisvoll nicke. 3 Wochen lang. Die Zeit danach war die reinste Erholung! Was für Sorgen und Kummer rund um die Kinderernährung, Entwicklung und Erziehung. Zudem, liebe Mädels, hätte ich jetzt eigentlich Freizeit! Oder etwa nicht?  Über belanglose Themen quatschen und ganz nebenbei das 2. Bier in der Gartenkneipe bestellen (gibt auch alkoholfreie!) anstelle eines Multivitaminsafts, wäre mir lieber. So ging das dann weiter. Später auf dem Spielplatz, dann in der Spielgruppe und heute im Kindergarten. Die Begeisterung über die sogenannte gängige Mütter-Community hält sich in Grenzen.  Fragen oder das Bedürfnis, rund ums Kind und Elternsein mit anderen sprechen zu können, ist da. Die richtige Frequenz zu finden eher schwierig. Mein Sender scheint gestört. Vielleicht auch nicht fähig zu empfangen.
Was soll ich sagen. Beep, beep, gnmmm.

photo by splitshire

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100 Gedanken zu “BEEP, BEEP, GNMMM?!

  1. Vielleicht liegt es daran, dass Du eine andere Spezies bist? Ich möchte Dir ja nicht zu nahe treten. Aber solltest Du nicht dem Rollenbild entsprechend zumindest dich über den Windelinhalt mit den Damen austauschen? Ein absolutes Muss ist auch der Gang zum Spielplatz! Tust DU es nicht, wirst Du der Gesprächsstoff. Bevor Du jetzt ins Grübeln kommst, es gibt auch Mütter, die ihre Kinder einpacken, mit ihnen reisen, einfach leben und Ratgeber und andere Mütter gekonnt ignorieren.

    Es hat sich in der Mütterkrabbelgruppe sicher noch nicht herumgesprochen, aber ich kann Dir versichern, ohne diese Ladies kann man seine Kinder sehr gut aufziehen. Mit diesen Müttern hast Du keine gemeinsame Frequenz eher eine Form von Nabelschnur;-) see ya LG Ann

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      1. ja, sie ist gewöhnungsbedürftig…..aber einfach schön, man muss sie nur lang genug hören. Dank Netflix schaue ich jetzt eine zweite Show ! Ich verstehe zwar fast nix, les die englischen Untertitel! Aber hör sie halt die ganze Zeit!

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  2. Ja! Genau so war es bei mir auch. Mehr oder weniger zumindest. Bei mir waren die missbilligenden Blicke jedoch darauf gerichtet, dass ich meinen kleinen Tragling immer im Tragetuch hatte und den leeren Kinderwagen geschoben habe. Oder dass ich tatsächlich mit vier und sogar mit sechs Monaten noch vollgestillt habe. Oder dass ich keine homöopathischen Tröpfchen und Kügelchen geben wollte, weil das Kind nunmal lieber auf dem Arm war als im Autositz oder weil es supergut bei uns im Bett geschlafen hat, nicht aber im eigenen Bettchen… Ich war übrigens in einer tollen PEKiP-Gruppe, mit der ich echt Glück hatte. Es gibt gruselige Gruppen (Rückbildung hab ich deshalb abgebrochen…), aber man kann auch echt Glück haben und Leute finden, die auf der gleichen Wellenlänge sind. Mit meiner PEKiP-Gruppe gings nach dem Kurs übrigens meistens in den Biergarten zum Lästern über die verrückte Kursleiterin und um über nicht-Windelinhaltthemen zu reden. 🙂
    Alles Gute!

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      1. kannst Du mich nicht fragen, ich war nicht da, aber mir wurde gesagt, dass es entwicklungstechnisch ein grosser Fehler sei, dieses nicht zu machen. Ich bin jetzt auch auf Tante Janas Antwort gespannt…..obwohl bei mir da eh nix mehr zu retten ist 😉

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      2. PEKiP, das Prager Eltern Kind Programm. Das ist mehr oder weniger eine Spiel- und Krabbelgruppe, in der ein pädagogisches Programm zur psychomotorischen Förderung läuft. 🙂 Klingt gruselig, war aber in vielen Teilen echt cool. Wir haben Lieder gesungen, mit den Babys getanzt und Spiele kennen gelernt, die vor allem die motorische Entwicklung fördern. Es war insgesamt eine schöne Grundstimmung in der Gruppe, alle Kinder sind richtig und alle Mamas sind richtig so wie sie sind. Dazu ganz viel Voodoo ( es gibt wohl Ferngeistheilung für schlechte Schläfer, die Gruppenleiterin hat geschworen, dass das prima geholfen hat bei ihrer Tochter… 🙄 ). Für mich war es nett, um raus zu kommen und Anregungen zu kriegen, was ich mit dem Wurm den ganzen Tag machen soll 😀
        LG Jana

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      3. @kinder unlimited: Also mein Sohn (nä!) ist ja mit 6 Monaten schon gekrabbelt und hat sich auch alleine hingesetzt. Das muss von der guten Förderung gekommen sein 😉 nur komisch, dass die anderen in der Gruppe dafür deutlich länger gebraucht haben 😀 Das eine oder andere fördert, glaube ich, schon ganz gut. Aber ich glaube, jedes Kind erreicht – sofern es nicht immer im Wagen oder Autositz liegen muss – alle Meilensteine dann, wenn es bereit ist, auch ohne PEKiP 🙂

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      4. Hallo Jana, Hauptsache es hat Euch beiden gut getan und ihr habt Euch wohlgefühlt. Ich bin da eher die Ausnahme, ich habe Sohn 1 nicht mal in den Kindergarten geschickt(bin lieber mit ihm in Kirchen, Ausstellungen, Museen gegangen, da wo ich auch hinwollte (plus Spielplatz)? Spätestens zu dem Zeitpunkt wurde mir schon mein Schicksal in dunkelsten Farben beschrieben. Liebe Grüße, Ann

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      5. Egal, was man macht, irgendjemand erzählt doch immer, dass man sich und/oder dem Kind damit das Leben versaut 😀 und dann werden die Meisten doch irgendwie groß und sind zwar nicht fehlerfrei, aber gut, so wie sie sind, oder?
        LG Jana

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      6. genau so ist. Jeder muss seinen Weg finden! Nur glaube ich, keine Kindergruppe ist besser als eine, die einem das Leben zur Hölle macht mit Neid, Missgunst, falsch verstandenem Ehrgeiz einen fortbilden zu müssen. Solche gibt es nämlich auch 😉 Hauptsache, die Ruhe behalten und sich entspannt zurücklehnen;-)

        Ich finde, Nora hat wieder einen tollen bissigen Text geschrieben 😉 LG, Ann

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      7. durch die Untertitel erkennt man die Struktur erst einmal….mit Øl og Schnaps….sehe ich auch Chancen, aber im Grunde muss man jemanden um sich haben, der es spricht! Oder in dem Land sein!

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      8. aber nur geographisch ;-))))))ich war schon mehrmals da ! Sogar einmal quer durch Skandinavien bis zum Nordkapp….damals war Dänemark für mich Skandinavien light 😉 Wenn Netflix noch jede Menge shows anbietet, besteht eine gewisse Chance !!!!

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  3. Hach ja. Du hast meine vollste Zustimmung! Ich habe bis heute sämtliche Mutter-Grüppchen (Pekip –> ich mag lieber Peking, Delfi –> Flipper war mir schon immer zu öde und Geburtsvorbereitungskurs –> Als eine Freundin mir davon erzählte, wie ein werdender Vater in eben einem solchen Kurs ein Kinder Überraschungsei mit Fingerfarbe auf den Babybauch seiner Frau gemalt hat *würg*, war auch der in meinen Gedanken vorbei) gemieden. Und weißt du was: ich bin ziemlich glücklich und zufrieden damit. Auf dem Spielplatz spiele ich lieber mit den Jungs, rutsche, schaukle und baue Sandburgen, als mich auch nur ein Mal irgendeiner kaffeetrinkenden (entcoffeiniert natürlich, mit SojaMilch, natürlich!) Mütterconnection dort anzuschliessen. Bin froh, wenn ich mal nicht über Kinder reden brauche. Es gibt auch noch andere Themen.

    Darauf jetzt einen guten Rotwein! (nicht alkoholfrei. Natürlich!)

    Allerliebste Grüße

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  4. Herzerfrischend! Dein Beitrag, aber auch die Kommentare der Mütter. Nun bin ich ja schon lange aus dem „Zeitalter“ raus, aber ich – als damals unglaublich späte Mutter mit 35 – passte eh nicht zu den jungen Müttern, hatte aber das große Glück einen kleinen Zettel an einer Pinnwand zu finden auf dem stand: „Wer hat Lust auf eine Krabbelgruppe“ mit Telefonnummer. Ab da haben wir uns mit anderen Müttern und Kindern reihum privat getroffen. Die Kinder haben gespielt, gekrabbelt etc. auch gestritten, geschrieen und was weiß ich noch was alles und wir Mütter haben uns über alles mögliche unterhalten, ja, auch über Kinder und die verk…… Windeln usw., aber hauptsächlich haben wir uns auch privat zu Grillfesten, Ausflügen usw. getroffen, wo auch wir Mütter unseren Spaß hatten. Übrigens: Die Mutter, die den Zettel verfasst hatte, ist heute nach 28 Jahren immer noch meine allerbeste und allerliebste Freundin und nachdem die Kinder etwas größer waren, haben wir sie den Vätern „anvertraut“ und haben Kurzreisen unternommen über’s Wochenende – und dabei waren die lieben Kleinen vollkommen ausgeblendet. Damals gab’s ja auch noch keine Handys und so hatten wir tatsächlich unseren Spaß und die Erholung, die wir von einem kinderfreien Wochenende erhofft hatten.
    Meine Freundin ist auch eine späte Mutter und wir hatten viele Themen jenseits von Kind, Haus, Mann, Katze …. 😀 Schönen Abend noch!

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  5. Ehm, ja. Das kommt mir irgendwie bekannt vor. Vorallem, weil ich im Gegensatz zu den anderen Müttern, mit denen ich Kindergruppen-, Kindergarten- und Schultechnisch zu tun hatte, immer gearbeitet habe. Mein Hausmann war (und ist) mit den Kindern eher selten unterwegs. Und wenn er es mal war, hat er immer überschwänglich erzählt, wie toll andere Mütter es finden, dass er sich so vorbildlich um seine Kinder kümmert – da war mein Frustfaktor immer groß. Als arbeitende Mutter wird man oft doch schief angesehen, auch wenn man perse mehr mit den Kindern macht, als der Mann.

    Naja, was soll ich sagen? In meinem Freundeskreis gibt es noch immer keine andere Mutter. Und am besten verstehe ich mich noch mit den anderen Müttern auf der Arbeit. Die kenne immerhin meine Probleme; auch die mit diesen „Übermüttern“, für die es wirklich nur noch Kind gibt.

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    1. … es ist paradox, dass ausgerechnet all die grossen Erwartungshaltungen und Ansprüche an eine Mutter hauptsächlich von der weiblichen Seite auskommt oder zumindest noch unterstützt wird. Wir uns gegenseitig unter Druck setzen und somit das Ganze nicht unbedingt vereinfachen….. ich glaube, wäre die Welt umgekehrt, die Männer das Ganze viel lockerer und entspannter angehen würden. Mit kollegialer Unterstützung und nötigem Pragmatismus…

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  6. Ich habe mich genau aus diesem Grund nach der Geburt lieber weiter an meine Freundinnen von vor der Geburt gehalten. Diese inhaltsleeren Gespräche, in denen keine der Mütter auch nur einmal ehrlich über ihre Belastungen sprach, sondern alles weggelächelt wurde, haben mir auch nichts gegeben. Ich erinnere mich noch: Einmal dachte ich, jetzt sei doch mal zur Abwechslung offen und ich lächelte eine Mutter freundlich an. Was sagte sie zu mir? „Du, ist Dein Kind nicht zu kalt angezogen?“

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    1. Dieser eine Satz steht für Alles!! 😉 Aber zum Thema Freundinnen. Da war ich kurz davor auch noch was drüber zu schreiben. Denn, zumindest bei mir, haben sich gewisse Freundschaften auch gewandelt. Entweder wurden die Freundinnen selbst Mütter und veränderten sich irgendwie und wurden meiner Ansicht nach kompliziert, oder es waren noch die kinderlosen mit Kinderwunsch. Auch nicht ganz einfach. … 😉

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