Hopp, Hopp (oder Kinder im Strassenverkehr)

Ich stehe am Straßenrand. Vor einem Zebrastreifen. Die Straßenüberquerung wird durch eine zusätzliche Straßeneinmündung vor dem Streifen erschwert. Das erste Auto rollt von rechts heran, verlangsamt und bleibt stehen. Das zweite Auto, von der einmündenden Straße, folgt sogleich. Hält bei der Abzweigung, kein Vortritt, an. Der Blinker zeigt in die abzubiegende Richtung, die vom Fußgängerstreifen. Aller guten Dinge sind Drei. Das dritte Automobil  folgt von links. Reduziert die Geschwindigkeit und setzt den Blinker. Es möchte vor dem Fußgängerübergang links in die einzumündende Straße abbiegen. Tut es. Ich habe nun die Absicht, über die Straße zu gehen. Das erste Auto verliert die Geduld. Fährt los. Ich überprüfe die neue Situation. Es nähert sich ein Fahrradfahrer von links. Ich warte erneut. Das Fahrrad hält an. Nochmals Kontrollblick nach rechts und nach links. Setze meinen ersten Fuß auf die Straße. Sie erinnern sich an das zweite Auto? Es hat soeben den Fußgängerstreifen gekreuzt. Ich erhebe meine Arme. Die Antwort kommt postwendend. Die Lenkerin und ihr Beifahrer, erheben ihrerseits die Arme zum Ausruf. Der Fahrradfahrer wartet. Endlich kann ich die Straße sicher passieren. Mein 5-jähriger Sohn bedankt sich beim übriggebliebenen Fahrradfahrer wie vom Verkehrsunterricht im Kindergarten gelernt. Überrascht? Ich auch.

Kinder sind nicht in der Lage, Geschwindigkeiten abschätzen zu können. Erkennen nicht, wenn ein Auto die Fahrt verlangsamt, um ihnen den Vortritt zu lassen. Geschweige können sie komplexe Verkehrssituationen einschätzen. So wie es der unsrige Fall war. Das Kind wartet ab, bis alle Teilnehmer zum Stillstand gekommen sind und überquert dann erst die Straße. Wenn schon keine Zeit vorhanden ist, dann sollte man zumindest konsequent sein und dem Fußgänger vorab den Vortritt verweigern. So besteht eine klare Ausgangslage. Ansonsten eine gefährliche Situation entstehen kann. Von einer zusätzlichen Verwirrung für die Kleinsten abgesehen. Oder wie soll ein Kind das Vertrauen und die nötige Sicherheit gewinnen, bei solch widersprüchlichen Verhaltensmustern? Im besten Fall es bei der nächsten Entscheidungsfindung höchstens noch mehr Zeit in Anspruch nehmen wird. Darum. Wenn es mal nicht ganz so hopp, hopp vonstatten geht. Lasst uns unsere Ungeduld überwinden. Gönnen wir den Fußgängern, die offensichtlich länger brauchen, die benötigte Zeit.

Damit aus dem Hopp nicht plötzlich ein Hoppla wird!

photo by jeshoots.com

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27 Gedanken zu “Hopp, Hopp (oder Kinder im Strassenverkehr)

  1. Wie Recht Du da hast ! Ich habe auch nie einen Begriff in der deutschen Sprache begriffen(in Zeitungen, von Polizisten), wenn es zu einem Unfall gekommen ist „das Kind ist vor das Auto gelaufen“. Wer hat denn das wendige schnell reagierende Vehikel ? Sucht sich das Kind das Gefährt aus, das es wie ein Torrero auf die Hörner nimmt ? Mich macht das wütend. Die Erwachsenen sollen so fahren, dass sie jederzeit mit einem kleinen Kind rechnen können. Realistischer und ehrlicher wär, wenn in den Zeitungen stehen würde: Ein Autofahrer hat ein Kind mit seinem Auto (!) umgefahren, weil er nicht verkehrsgerecht gefahren ist ! Der Fokus muss sich ändern, da geb ich Dir Recht ! LG Ann

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    1. .. hab ich da einen wunden Punkt erwischt? Ich muss dir Recht geben, wenn es darum geht, dass man angepasst und vor allem vorausschauend und mit Köpfchen fahren muss. Es kann aber durchaus passieren, dass dir ein Kinder vor das Auto läuft. Nicht im Sinne von ’spazieren‘ sondern unvermittelt sich z.B vom Gehweg auf die Strasse begibt. Da kann auch ein angepasstes Fahrverhalten unter Umständen nicht mehr genügen, das Fahrzeug rechtzeitig zum Stillstand zu bringen. Ich denke aber, dass es weniger Umfälle gibt, wenn eben solche Situation sich der Lenker allzeit bewusst ist. Z.B in Schulzonen oder wenn sich Kinder auf dem Gehweg aufhalten. Es wäre der Alptraum schlechthin, wenn mir das mal passieren würde. Ganz lieben Gruss, Nora

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      1. Mich ärgert nur die Ausdrucksweise, es gibt automatisch nur die Schuld dem Kind und das stört mich, weil es nicht der Wahrheit entspricht ! Mir ist es auch nie passiert, ich kenne jedoch jemanden, der sich danach das Leben genommen hat, weil er mit der Schuld nicht leben konnte.
        Ich mag es einfach mehr, wie Kinder in den USA in Schulbusse gesetzt werden und nicht wie in Deutschland dem Strassenverkehr ausgesetzt werden. Es stimmen einfach nicht die Voraussetzungen. Für mich persönlich ein komplexes Thema.Ich hab mich da mal mit einem Polizisten drüber gestritten 😉

        Aber toller Beitrag !!! Und kein wunder Punkt, sondern einer, über den ich schon sehr viel nachgedacht habe ;-))))

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      2. Alles klar ;-)! Na das mit dem Schulbus sehe ich zum Beispiel anders. Ich finde es sehr wichtig, dass die Kinder lernen mit den Gegebenheiten umzugehen. Und sie nicht davor zu beschützen und behüten versucht. Dies es noch viel schlimmer und schlussendlich gefährlicher macht. Wie so vieles im Leben, man so lernt damit umzugehen. Ich denke auch hier, ein Miteinander ist sehr wichtig. Vielleicht täten regelmässiger Verkehrsunterricht gut, auch uns Erwachsenen. Um einfach wieder zu Sensibilisieren. Ich finde es fast kriminell, dass man einmal in seinem Leben einen Führerschein hat machen müssen. Und danach sich nie mehr eines Kurses zu bemühen brauchte! Hier sollte mal angesetzt werden. So quasi alle paar Jahre der Schein erneuert werden müsste. Inkl Gesundheitscheck. So sehe ich das! 🙂

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      3. Ich stimme Dir in allem zu, aber die Gegebenheiten sollten in Deutschland anders sein und in den USA sterben weniger Kinder im Strassenverkehr als hier und sie fahren eher Auto !
        Ab einem gewissen Alter sollte Fahrtüchtigkeit auf jeden Fall geprüft werden und ein Sehtest sowieso. Bis auf den Schulbus sehen wir das wohl gleich 😉

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      4. weil sie schon früh selbst Autofahren, meinte ich…Fussgänger und damit anfällig gegen grosse Autos ist man da eher selten. Ich weiss aber, dass man das in Deutschland anders sieht. Ausserdem ist die Autolobby viel zu stark, langsamer Auto zu fahren, denn im Grunde ist das eigentliche Problem ja nur die Geschwindigkeit! 30km generell in der Stadt und es gäbe sehr viel weniger Unfälle mit Kindern, aber die Vorstellung ist wohl utopisch !

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      5. … also, ich ärgere mich über die Mütter, die genau aus diesem Grund die Kinder regelmässig zur Schule fahren. Damit generieren sie noch mehr Verkehr und gefährden mein und andere Kinder unnötig und zusätzlich. Aber wie gesagt, ich gehe jetzt von unseren Gegebenheiten aus. Enge Strassen, kurze Distanzen, kein Platz und unübersichtlich. Weisst du was, jetzt mache ich mir dann bald eine Flasche Wein auf! Einen Weissen für dich? 😉

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      6. über die Mütter ärger ich mich auch !…und wie gern……Prost ! und endlich waren wir mal unterschiedlicher Meinung 😉 Darauf noch mal „A Chanté“ LG Ann

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  2. Auch wenn es ein sehr kontroverses Thema ist, bin ich der Meinung dass es wichtig ist es zu thematisieren. Bin selbst Autofahrer, aber was ich so alles auf den Straßen erlebe erfüllt mich mit Furcht. Die Aggressivität auf den Straßen hat zugenommen… viele Autofahrer denken dass die riskante Überholmanöver und schnelles fahren schneller ans Ziel bringen! Aber sind wir uns ehrlich… Wenn ich zu spät dran bin dann kann ich auch nichts mehr daran ändern… Zu spät komme ich sowieso, aber da muss ich auch noch mich, meine Mitfahrer oder andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr bringen.

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  3. Kinder lernen erst zu gehen, wenn alle Autos stehen. Klare Regel für beide Seiten. Schlimmer sind die Älteren, die einfach loslaufen, sobald sie in der Nähe des Streifens sind. Mir ist Blickkontakt und klares Verhalten lieber, denn es ist nicht immer der Autofahrer der Böse.

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  4. Kinder im Strassenverkehr sind das Schwächste Glied in der Kette… sie sind devinitiv unberechenbar, nicht um sonst übernimmt keine mir bekannte Familienversicherung die Kosten für einen Unfall an dem der Autofahrer null Schuld hatte und ein immenser Schaden entstanden war… das Statement der Polizei war „da kann man nichts machen“… wir waren froh das das Kind lebt ! Die Eltern sagten Kismet eure Kosten gehen uns nichts an.

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